Auf der Jagd nach faszinierenden Bildern – über und unter Wasser

Der Fotograf Peter Kirner ist in der ganzen Welt unterwegs, um Landschaften und Tiere in ihrer Einzigartigkeit festzuhalten

Der geborene Wormser kam schon 1967 nach Franken, um als Regierungsbeamter in Würzburg zu arbeiten. Er hatte jedoch noch eine weitere Ausbildung an der Bundesfachschule für Fotografie in Hamburg absolviert – er ist leidenschaftlicher Fotograf. Dieser Leidenschaft geht er bis heute nach und hat auf der Suche nach außergewöhnlichen Motiven bis auf Australien schon alle Kontinente bereist.
Als es Ende August zum Interview in Randersacker kommt, wo Kirner seit 2001 lebt, feiert er gerade seinen 72. Geburtstag. Da sitzt im Garten ein unglaublich vitaler Mann, dem sein Alter absolut nicht anzusehen ist. Wie er das macht? „Na ja, ich halte mich fit“, sagt er lächelnd und fügt an: „Ich schwimme bei den SVW-05ern jeden Tag meine 1000 Meter, mache täglich etwas Gymnastik und spiele noch Tennis.“
Dann kommen wir auf unser Thema – das Fotografieren, über und unter Wasser, denn Kirner, wie auch seine Frau Barbara, tauchen seit Jahrzehnten. Er erinnert sich, wie alles begonnen hat. „Ich habe schon in der Schule das Thema Kunst und vor allem das Malen geliebt und bin später als Gasthörer in der Kunstakademie in Mannheim gesessen. Ein befreundeter Fotograf hat mich damals auch für die Fotografie begeistert. So sehr, dass ich eine Ausbildung zum Fotografen machte.“
Noch eine weitere Leidenschaft kam bei Peter Kirner hinzu: „Bereits in jungen Jahren hatte mich zudem das Reisefieber gepackt und eine meiner ersten größeren Reisen unternahm ich als 18-Jähriger mit dem Orient-Express nach Istanbul. Es folgten mehrere Reisen nach Thailand, den Philippinen, Malaysia, Indonesien und Südamerika.“
Peter Kirner liebt es, auf seinen Reisen andere Kulturen und deren Menschen kennenzulernen und mit der Kamera festzuhalten. Es entstanden Porträts von Menschen in ihren Lebenswelten sowie Landschafts- und Architekturfotos..

... Windsurfen auf Hawaii

Nun ist der begeisterte Pensionär in seinem Element. Wie aus einem großen imaginären „Karteikasten“ zieht er Erinnerungskarten, fliegt über Jahrzehnte hinweg, erzählt Geschichten, Begebenheiten und wirbelt dabei um den ganzen Globus. Bei der „Karteikarte“ Windsurfen muss ich ihn bremsen, um meine Gedanken etwas zu sortieren: Was hat es denn jetzt damit auf sich? Der Randersackerer schmunzelt und erzählt weiter: „Wahrscheinlich war ich der erste Würzburger, der sich für das Windsurfen interessierte (Bild oben). Auf einer späteren Reise nach Hawaii habe ich den langjährigen Windsurf-Weltmeister Robby Naish kennengelernt, bei dem ich wohnen durfte und mit dem ich vor der berühmten Kailua Beach auf Hawaii ge-surft bin. Das war eine unglaublich aufregende Zeit. Robby Naish wurde bereits mit 13 Jahren auf den Bahamas der jüngste Windsurf-Weltmeister aller Zeiten“.

... Fotos unter Wasser

Jetzt kommt die „Karteikarte“ Tauchen wieder ins Spiel. War mal wieder ein Surf-
urlaub geplant und der Urlaub festgelegt, gab es kein Zurück mehr, erklärt Kirner. Oft musste er damals dem richtigen Wind hinterherfahren, und das machte auf Dauer keinen Spaß. Es ergab sich, eine Tauchausbildung in Thailand zu machen, und damit löste die Unterwasserwelt das Windsurfen ab. Denn hier konnte er das Tauchen auch noch mit dem geliebten Fotografieren verbinden. Es folgten Tauchreisen rund um die Welt und noch heute vergeht kein Jahr, ohne mindestens eine Tauchsafari gemacht zu haben – als Pensionär ist für ihn Zeit absolut kein Problem mehr.
Auf über tausend Tauchgänge kann Kirner inzwischen zurückblicken. Mit dabei immer die Profi-Kamera Pentax im Unterwassergehäuse. Lachend bemerkt Kirner dazu: „Nur in die Badewanne gehe ich ohne Kamera.“
Natürlich gibt es darüber so viel zu berichten, dass die Geschichten ein ganzes Buch füllen würden. Wir wollen jedoch eine herausgreifen und wissen, welcher Tauchgang ihm für immer im Gedächtnis bleiben wird.

... Auge in Auge mit Tigerhaien

Peter Kirner überlegt nur kurz und erzählt: „Auf den vielen Tauchreisen hatte ich unzählige interessante Begegnungen mit den unterschiedlichsten Meeresbewohnern, aber eine werde ich wirklich nie vergessen. Bei zwei Tauchgängen am Tiger Beach, einem bekannten Tauchplatz vor den Bahamas, bin ich jeweils auf Tigerhaie gestoßen. Mir war ja bekannt, dass der Tigerhai neben dem Bullenhai und dem Weißen Hai zu den gefährlichsten Haiarten zählt, die das Meer zu bieten hat. Bei beiden Tauchgängen waren die Begegnungen hautnah und Unmengen an Adrenalin schossen durch meinen Körper. Es ist aber alles gut gegangen. Ich war fasziniert von diesen majestätischen Tieren und habe unglaublich spektakuläre Fotos als Belohnung dafür mit nach Hause genommen.“
Eine weitere Begegnung, diesmal völlig ungefährlich, wird Kirner ebenfalls nicht vergessen. Mit einer Aufnahme aus dem Roten Meer in Ägypten siegte er beim Internationalen Naturfoto-Wettbewerb „Glanzlichter 2011“ in der Kategorie „Verschiedene Tiere festhalten in einem Bild“. Sie zeigt eine Seekuh in Begleitung von Pilotfischen und Riffbarschen. Zu acht Kategorien hatten über tausend Fotografen aus aller Welt 15.035 Fotos eingesandt.

... Dozent an der Volkshochschule

Seine Freude am Fotografieren sowie sein Wissen um Technik und Gestaltung gibt Kirner seit über 40 Jahren an der Volkshochschule Würzburg als Dozent in seinen Fotokursen weiter. Dazu veranstaltet er zu verschiedenen Themen immer wieder Ausstellungen und zeigt seine Bilder einem größeren Publikum.
Seit gut 30 Jahren hat er sich inzwischen vor allem auf die Landschafts- und Tierfotografie konzentriert. Um 1985 etwa buchte er seine erste Safari nach Afrika und war absolut begeistert. Namibia war das Ziel. Er bereiste die Namib, die 80 Millionen Jahren alte und somit älteste Wüste der Erde. Es entstanden umwerfende Fotos der berühmten Sanddünen, die je nach Stand der Sonne ihre intensiven Farben verändern. Außergewöhnliche Landschaften hat Kirner auch in der Weißen Wüste in Ägypten mit ihren bizarren Kalksteinformationen fotografiert. „Sowohl in Namibia als auch in der Weißen Wüste habe ich mehrmals kleine Reisegruppen als fotografischer Reiseleiter begleitet“, erzählt Kirner und fährt fort: „Fotografisch spektakulär waren für mich ebenso die Nationalparks Bryce Canyon, Arches, Zion, Capitol Reef, Petrified Forest, Monument Valley, Antelope Canyon und Grand Canyon im Südwesten der USA.“

...Afrika ruft

Um auch die afrikanische Tierwelt zu erkunden, ging es weiter nach Botswana und Tansania, hier vor allem in die Serengeti. Allen Älteren ist aus ihrer Kindheit der Kinofilm von Bernhard Grzimek „Serengeti darf nicht sterben“ in Erinnerung. Er machte den Nationalpark weltberühmt und wurde 1960 mit einem Oscar prämiert. Zu Botswana, Namibia und Tansania fügte sich dann noch Kenia mit seinen namhaften Nationalparks an, allen voran das Naturschutzgebiet Masai Mara, Kenias tierreichstes Reservat, welches direkt an den Serengeti-Nationalpark anschließt.
Hier fotografierte Kirner über Jahre faszinierende Landschaften und vor allem Tiere, wie die „Big Five“ – Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard.
„Afrika ist unglaublich. Auf Schritt und Tritt trifft man hier als Fotograf auf eine beeindruckende Artenvielfalt. Und neben den bekannten fünf leben hier noch viele andere große Säugetiere wie Giraffen, Hyänen, Zebras, Springböcke, Kudus etc., die ständig die Savannen durchqueren auf der Suche nach Nahrung“, erzählt der Globetrotter.
Der letzte Besuch in Afrika galt 2015 Uganda und barg für Peter Kirner ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis: eine Reise zu den Berggorillas, die hier nur noch mit vier Familienverbänden im Dschungel leben. „Wir benötigten die Genehmigung der Nationalparkbehörde und wurden von einigen Parkrangers geführt. Ganze sieben Stunden waren wir in einer anstrengenden Wanderung durch den dichten Regenwald zu unserer Gorillafamilie unterwegs. Dann hatten sich die Strapazen allerdings gelohnt und wir trafen in etwa 2500 Metern auf die Gorillas. Wir mussten uns ganz ruhig verhalten, auch wenn die Gorillas Menschen gewohnt sind. Etwa eine Stunde sollte uns bleiben, um die imposanten Primaten zu beobachten und zu fotografieren. Wir waren zu acht und durften beim Fotografieren keinen Blitz verwenden und uns den Tieren nur bis auf circa fünf Meter nähern. Vielleicht habe ich mich, von der Fotojagd geleitet, doch etwas zu weit vorgewagt. Denn plötzlich startete der Silberrücken, der mächtige Boss der Gorillafamilie, einen Scheinangriff und lief mit Gebrüll ein bis zwei Meter auf mich zu. Das war es dann auch und er lief wieder zurück. Mir war bei seiner Aktion jedoch das Herz in die Hose gerutscht und ich zog mich schnell wieder weiter zurück.“ Da dieses Erlebnis so außergewöhnlich für Peter Kirner war, hat er schon die nächste Reise geplant – Ende 2016 wird er in die Republik Kongo reisen, um dort auf Flachlandgorillas zu treffen.

... Gänsehaut bei den Krokodilen

Einige Fototouren fordern neben der Neugierde auch eine ordentliche Portion Mut. Davon muss Peter Kirner auf seiner Reise nach Mexiko genügend mitgenommen haben, denn Leistenkrokodile verstehen es, mächtig Eindruck auf den Menschen zu machen. Das Leistenkrokodil (Salzwasserkrokodil; Bild unten) ist heute das größte lebende Krokodil, es kommt im Ozean und Brackwasser ebenso vor wie in Flüssen und Sümpfen. „Weit über vier Meter lang können diese Panzerechsen werden, sie zählen zu den gefährlichsten Krokodilen weltweit“, erklärt der Randers-ackerer und fährt fort: „Vor der Mangroveninsel Chinchorro, zwei Bootsstunden von der Halbinsel Yucatan entfernt, gibt es die Möglichkeit, mit den Furcht einflö-
ßenden Reptilien zu tauchen. Unsere Tauchgruppe, Fotografen und Filmer, wurde von drei geschulten Guides begleitet, die mit Holzstöcken ausgerüstet für unsere Sicherheit sorgen sollten. Angelockt durch Fischköder kamen die Krokodile bis auf einen halben Meter vor unsere Kameras und ich konnte grandiose Fotos schießen. Einen bleibenden Eindruck hat ein besonderes Krokodil bei mir hinterlassen – es war sein Biss in meinen Unterwasserblitz. Die Spuren dieser Attacke sind heute noch zu sehen und werden mich immer an diesen Tauchgang erinnern.“

strong< ... Arktische Schönheiten

Es sind nicht nur die südlichen Gefilde, die den Fotografen anziehen. Auch die Arktis hat er schon mehrmals bereist und die eisigen Landschaften und ihre Bewohner mit der Kamera in Augenschein genommen. „Die Landschaft ist der Wahnsinn“, sagt Kirner und erinnert sich besonders an das Abenteuer, mit einem Dreimastsegler Spitzbergen umrundet zu haben. „Es ist oft unwirklich schön, in dieser weiten Stille unterwegs zu sein. Auf der Fahrt haben wir Eisbären (Bild unten), Walrosse und Wale, Robben, Polarfüchse und viele Vogelarten angetroffen. Dabei sind wunderschöne Aufnahmen entstanden. Hier ist es nicht wie in Afrika, wo einem ständig Tiere vor die Kamera laufen. Auf Spitzbergen benötigen wir Fotografen viel mehr Glück und Geduld, um ein gutes Tierfoto zu bekommen. Dennoch haben sich meine Reisen in die Arktis immer gelohnt.“ Neben Spitzbergen ist ihm Grönland besonders in Erinnerung. „Hier gelangen mir neben den Tierfotos spektakuläre Aufnahmen von den größten Eisbergen dieser Erde (Bild oben). Wie Kathedralen ragen die weiß glitzernden Kolosse in den blauen Himmel, natürliche Kunstwerke, entstanden in Tausenden von Jahren. Von hier aus treiben Eisberge durch den Atlantik und manchmal bis vor die amerikanische Küste.“

< Wen man alles so trifft …

Um nochmals unsere Karteikarten zu bemühen – dem weit gereisten Fotografen fällt dazu noch eine Geschichte ein: „Auf einer meiner Fotoreisen in Neuseeland traf ich übrigens auf den bekannten Schauspieler Hardy Krüger. Er war im Inselstaat unterwegs, um für sein Buch ‚Weltenbummler‘ zu recherchieren. Wir haben uns gut unterhalten und Reiseerlebnisse ausgetauscht. 1993 traf ich ihn dann in Würzburg bei seiner Buchpräsentation im Kaufhof wieder und ließ mir eines seiner Bücher widmen.“

Roland Schwerdhöfer

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