Die Auswanderin
Die Künstlerin Monika Kira Dawidowski
Vorweg: Im Süden zu leben war schon immer ein Traum von Monika Kira Dawidowski. Doch es sollten viele Jahre umtriebigen Lebens vergehen, bevor sich dieser Traum auch erfüllte. „Ich erinnere mich daran, dass Goethes Gedicht – Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen? – wie ein jugendlich gesäter Samen stetig in mir zu wachsen begann.“ Der deutsche Dichter war Monikas Pflichtlektüre im Stuttgarter Gymnasium an der Merzschule, wo sie ihr Abitur ablegte, um danach ein Studium in München zu beginnen. Werbegrafik und Kunsterziehung sollte es sein. Der Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken, war eine Herzensangelegenheit und München eine Stadt, in der es sich gut leben ließ. Aber, auch wenn sie sich gerne an diese Zeit zurückerinnert, immer die gleiche Stadt war nicht ihr Ding. Neues kennen zu lernen: Menschen, Musik, Künste und andere Städte – das zog sie magisch an.
Nach vier Jahren bayrischer Großstadt ging Dawidowski 1972 zum Studium – Freie Grafik und Malerei – an die „Akademie Royal Liege“ in Belgien. Doch bereits nach einem Jahr siegte der Wunsch „weiterzuziehen“. Für vier Jahre hatte sich die Künstlerin nun als Fortführung ihrer Studien die Kunsthochschule in Düsseldorf ausgesucht. Die international renommierte Kunstakademie in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt machte gerade in den 70ern mit spektakulären Aktionen und Diskursen auf sich aufmerksam. Und Monika Kira Dawidowski hatte Gelegenheit, in der Klasse eines der weltweit bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu studieren – es war der zu Weltruhm gelangte Professor Joseph Beuys.
Nach dem Motto, man lernt ein Leben lang, verließ Dawidowski Düsseldorf wieder und begann ein Pädagogikstudium für Kunsterzieher an der Fachhochschule in Bamberg.
... Würzburg stand nicht auf ihrem Plan
Würzburg hatte die „Städtewanderin“ überhaupt nicht auf ihrem Plan, als ihr damaliger Freund unverhofft 1974 einen Studienplatz in der Frankenmetropole erhielt. Sie soll vorausfahren und auf Wohnungssuche gehen – so ist es ausgemacht. Als sie ankommt, ist es keine Liebe auf den ersten Blick. Es ist für sie keine Stadt, eher ein Städtchen. Sie fühlt sich beengt in einer von Kirchtürmen dominierten Stadt, mit geduckten Häusern und unfreundlichen Gesichtern. Irritiert nahm sie davon Kenntnis, dass es überall Studentenverbindungen gab, das Nachtleben in Weinstuben mit schunkelnden Menschen, meist älteren Semestern stattfand. Wo sollte sie hier das gewohnte Studentenleben finden, das sie aus den „richtigen“ Großstädten kannte, wohin war sie als echtes 68er-Kind jetzt verschlagen worden?
Was Dawidowski damals noch nicht wusste: Später sollte es die Stadt werden, in der sie am längsten lebte – immerhin 27 Jahre. Doch nun stand sie erstmals in der Theaterstraße, telefonierte mit ihrem Freund aufgeregt aus einer Telefonzelle, und wollte diesen Umzug einzig als kurze Übergangslösung ansehen.
Wie sich dann jedoch im Alltag herausstellen sollte, war alles ganz anders. Die Landschaft und die Stadt wurden allmählich als reizvoll wahrgenommen und selbst mit den Weinstuben und dem süffig-leckeren Frankenwein wurde Freundschaft geschlossen. Es fanden sich schnell liebenswerte Freunde, Bekannte und Arbeit, der Alltag nahm seinen Lauf. Um nicht von der „brotlosen Kunst“ leben zu müssen, begann Dawidowski, neben der Arbeit als Dozentin an der Fachhochschule für Gestaltung, ein Psychologie-Studium. Nun teilte sich der Tag zwischen den verschiedenen Vorlesungen, der Arbeit in einer Kunstwerkstatt und später den Seminaren an der Volkshochschule. Das Leben in Würzburg war anstrengend, aber schön. Verschnaufpausen gab es auch. Sie wurden genutzt, um die Sahara zu durchqueren, Afrika und südliche Länder zu bereisen. Und einen dritten Jugendtraum erfüllte sich die Künstlerin – sie machte den Pilotenschein.
Sehnsucht nach südlichen Gefilden
Es war dann wohl das Ende ihrer Beziehung und die ständige Sehnsucht nach dem Süden – Monika Kira Dawidowski ging für zwei Jahre nach Italien, um sich am Lago Maggiore voll und ganz der Kunst zu widmen. Der Kontakt zu Würzburg blieb bestehen, Freunde wurden regelmäßig besucht und mehrere Galerien in Deutschland ständig mit neuen Bildern versorgt.
Bei einem dieser Besuche lernte sie ihren Mann kennen, brach die Zelte in Italien ab und brachte kurz darauf ihren Sohn Nico in Würzburg zu Welt. Die Ehe hielt nicht lange – der Freundeskreis jedoch wurde größer und interessanter. Eine arbeitsreiche, erfolgreiche Zeit folgte, ein großes Haus wurde in Versbach bezogen. Hier trafen sich dann auch andere Künstler und Ausstellungen wurden von bekanten Musikern aus Würzburg, wie zum Beispiel dem Perkussionisten Bernd Kremling, mit musikalischen Beiträgen begleitet. Es wurde viel gefeiert, Musik gemacht, gekocht und diskutiert.
Zur gleichen Zeit wurde die Situation auf dem deutschen Kunstmarkt jedoch immer schwieriger – der Üppigkeit folgte die Schmalkost. Die Künstlerin musste feststellen, dass in schlechten Zeiten auch die Freunde ausbleiben. Die Besucher in Ochsenfurt wurden weniger – eine depressive, traurige Stimmung und Fluchtgedanken machten sich breit. Wieder einmal rief der sonnige Süden nach ihr, Freunde auf Mallorca hatten es bereits geschafft, sich auf der Baleareninsel eine Existenz aufzubauen. 2001 gab es dann kein Halten mehr, zusammen mit ihrem Sohn verließ die kleine Familie das Fränkische, um im idyllischen Ort Randa ein neues Zuhause und eine kleine Galerie zu finden. Mit Gelegenheitsarbeiten verdiente sich Dawidowski ihr erstes Geld, fand Kontakt zu anderen Künstlern, begann intensiv zu malen. Die Stimmung hellte sich schnell auf.
Mit dem Umzug in ein großes Galerie-Haus war es nach einiger Zeit geschafft. In der „Galeria de Arte Dawidowski“ gab es alle vier Wochen eine neue Ausstellung, in der gut 25 Künstler ihre Werke präsentierten. Jeden Sonntag lud die Galeristin zur Matinee mit Musik, Weinprobe oder Lesung. Das internationale Publikum war begeistert und brachte den finanziellen Erfolg. Sohn Nico ist rund um die Uhr mit dabei, organisiert und verkauft Bilder. Das hilft Monika Kira Dawidowski auch dabei, neue Kunstfelder zu erschließen. Immer häufiger erhält sie den Auftrag, die Wände in Häusern und Villen mit blühenden Landschaften oder anderen Motiven zu bemalen – die Wandmalerei wird ein wichtiges, weiteres Standbein. „Auch wenn die Freizeit knapp bemessen war und wir das Meer oft nur aus der Ferne sahen, waren wir glücklich“, erzählt die Künstlerin. „Es ist die wunderbar farbige Vegetation, die unvergleichliche Landschaft, die Sonne und das goldene Licht, welches abends über allem liegt, was mich tief berührt“, schwärmt die Auswanderin.
Monika Kira Dawidowski entwickelt Bilderwelten, die von der Musik inspiriert, von mediterranem Licht durchtränkt sind. Natur, Landschaften und Menschen faszinieren sie und sind Vorlagen für stimmungsvolle Bilder.
Und die finden Kunstsammler auch heute noch in ausgewählten Galerien in Deutschland, die sie regelmäßig besucht und mit neuen Werken versorgt.
Mal- und Kunstkurse
Ein weiteres Steckenpferd, welches immer mehr Freunde findet, sind Mal- und Kunstkurse. Veranstaltet auf Mallorca, Teneriffa, in Italien oder in ihrem deutschen Atelier in Stuttgart, wo auch ihr Lebensgefährte lebt.
Ihre Schüler erfahren hier etwas über die bevorzugten Techniken von Monika Kira Dawidowski, die in der Malerei das große Format bevorzugt und Öl, Acryl und Mischtechniken auf die Leinwand bringt.
Monika Kira Dawidowski ist angekommen, hat ihre Heimat gefunden und ist dennoch immer unterwegs. Unterwegs nach neuen Ausdrucksformen, nach neuen Begegnungen und nach neuen Herausforderungen. Kontakt zu Freunden, Kursteilnehmern und Kunstliebhabern hält sie über Facebook und über das Internet (dawidowski.wordpress.com). Hier ist auch zu erfahren, wann neue Kunst- und Malkurse stattfinden und wann und wo Ausstellungen geplant sind.
Roland Schwerdhöfer