Rainer Caselmann - Der Fotograf und die Welt in Bildern

Auf die Frage, wie Rainer Caselmann denn zum Fotografieren kam, holt der
67-Jährige tief Luft, geht gedanklich lange zurück und sagt: „Das Fotografieren hat mich schon als Jugendlicher begeistert. Dazu war ich ebenfalls fasziniert vom Reisen und von Menschen, die spannende Geschichten darüber zu erzählen wussten. Ich erinnere mich zum Beispiel an Jacques Cousteau, den weltbekannten französischen Meeresforscher und Dokumentarfilmer, der immer eine rote Wollmütze trug. Seine Sendungen im Fernsehen waren für mich immer voller Spannung und Abenteuer. Ich war einfach nur begeistert von diesem Mann.“
Aber zurück zu Rainer Caselmann selbst. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in München. Und wie sollte es anders sein – mit dem Schwerpunkt Tourismus. Gleichzeitig ergatterte er als Student in München einen Nebenjob bei einem Tauchreiseveranstalter. Der Job bot sich an, weil Caselmann schon lange vorher seine Tauchausbildung in der Würzburger Tauchsportgruppe absolviert hatte und viele Tauchziele am Mittelmeer, Roten Meer und auf den Malediven von eigenen Reisen und vielen Tauchgängen her kannte.
Rainer Caselmann erinnert sich: „Mit der Reiseleitung beauftragt, flog ich damals in den Sudan, um eine Tauchsafari im Roten Meer zu begleiten. Ziel waren die legendären Tauchplätze vor Port Sudan, wo Cousteau für seinen Film ‚Welt ohne Sonne‘ sogar ein Unterwasserdorf errichten ließ, dessen verlassene Bauten heute von Korallen überzogen sind, sowie das Wrack der Umbria – Traumziele für Taucher. Cousteaus Film erhielt später einen Oscar und die Goldene Palme. Auf dieser Reise dabei war auch meine erste Kamera, eine Minolta SRT 101. Später, im Jahr 1980 sollte ich wieder im Sudan unterwegs sein – dann mit meiner ersten 16-mm-Film-Kamera samt Unterwassergehäuse. Hoch professionell und ziemlich teuer“, erzählt Caselmann.
Mit 31 Jahren endet die Studienzeit mit dem Abschluss. Caselmann ist verheiratet und hat einen 5-jährigen Sohn. Das Angebot des Reiseveranstalters, der ihn unbedingt behalten möchte, schlägt er aus, um mit seiner Familie erst mal auf Reisen zu gehen. Für knapp ein Jahr ist Südostasien das Ziel. Die Fotoausbeute ist riesig – Südostasien wird Rainer Caselmanns liebstes Reiseziel. Zurück in Würzburg muss nun Geld verdient werden. In der Versicherungsbranche wird der Betriebswirtschaftler fündig und beginnt 1982 in seinem Beruf zu arbeiten. Wann immer es geht, verbindet er Freizeit und Urlaub mit Reisen nach Thailand, Burma, den Philippinen und Indonesien.

Die hohe Zeit der Diavorträge

Mit seinen Bildern möchte der Fotograf möglichst viele Menschen begeistern. Es
beginnt gerade die Zeit der aufwendigen Diavorträge – und auch Caselmann nutzt
die Technik für sich. „Das war damals mit einem riesigen Aufwand verbunden. Mit
bis zu sechs leistungsfähigen Projektoren wurde da gearbeitet, um spektakuläre Panoramaprojektionen, Überblendungen und andere Effekte zu bewerkstelligen. So kamen wirklich spannende Bilderschauen zustande.“ Die erste Diaschau – heute Multivison genannt – findet 1987 in Würzburg, dann in anderen deutschen Städten statt und führt das Thema Südostasien auf den Werbeplakaten. Mit den Jahren entstehen immer weitere Multivisionen, so eine „Asien City-Tour“ mit den Megastädten Hongkong, Peking, Singapur und Bangkok. Dann über ganze Länder wie Indonesien, Vietnam, Thailand und das Reich der Mitte, China. Analoge Diaschauen gibt es praktisch nicht mehr, der Computer und die digitale Welt übernehmen mehr und mehr das Ruder – mit perfekter Digitalisierung werden Bilder, Filme, Texte und Effekte perfekt kombiniert ............ (weiter in der Buchausgabe!)

Roland Schwerdhöfer

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